Gerichtliche Auseinandersetzungen um Rückerstattungen von Verlusten bei verbotenen Online-Casinos in Deutschland
Geschrieben von Dana Vogel · 3.6.2026

Gerichtliche Auseinandersetzungen um Rückerstattungen von Verlusten bei verbotenen Online-Casinos in Deutschland

Hintergründe des nationalen Verbots und europarechtliche Fragen
Zwischen 2012 und 2021 galt in Deutschland durch den Glücksspielstaatsvertrag ein umfassendes Verbot für Online-Glücksspiele, das Anbieter aus anderen EU-Staaten betraf und nun in mehreren Verfahren vor deutschen Gerichten sowie dem Europäischen Gerichtshof auf seine Vereinbarkeit mit EU-Dienstleistungsfreiheit geprüft wird; Kläger fordern Rückerstattungen von Verlusten in potenziell dreistelliger Millionenhöhe, während Gerichte prüfen, ob das Verbot gegen EU-Recht verstieß und damit Grundlage für Schadensersatzansprüche bietet.
Deutsche Zivilgerichte haben in laufenden Verfahren Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH gerichtet, um zu klären, ob die damalige Regelung mit Artikel 56 AEUV vereinbar war, und Beobachter verfolgen diese Entwicklungen genau, da eine mögliche Unvereinbarkeit zu weitreichenden Präzedenzfällen führen könnte, die Betreiber und staatliche Aufsichtsbehörden gleichermaßen betreffen; im Juni 2026 zeichnen sich erste mündliche Verhandlungen in ausgewählten Musterverfahren ab, die den Fortgang der Klagen maßgeblich beeinflussen dürften.
Struktur und Umfang der anhängigen Verfahren
Mehrere hundert Klagen sind derzeit bei Amts- und Landgerichten in verschiedenen Bundesländern anhängig, wobei die Klägerargumentation darauf abzielt, dass das Verbot unverhältnismäßig in die Dienstleistungsfreiheit eingriff und daher keine wirksame Rechtsgrundlage für die Einbehaltung von Einsätzen darstellte; Anwälte bündeln teilweise Fälle, um gemeinsame rechtliche Fragen effizienter klären zu lassen, während Betreiber auf die Bestandskraft nationaler Regelungen verweisen.
Die Europäische Kommission hat in früheren Stellungnahmen zu ähnlichen Glücksspielbeschränkungen betont, dass Mitgliedstaaten zwar Regulierungsspielräume besitzen, diese aber mit EU-Grundfreiheiten abgestimmt sein müssen, und entsprechende Hinweise fließen nun in die laufenden deutschen Verfahren ein; eine Entscheidung des EuGH könnte zudem Auswirkungen auf vergleichbare Fälle in anderen Mitgliedstaaten haben, wo ähnliche Verbotszeiträume geprüft werden.

Mögliche Auswirkungen auf Betreiber und Verbraucher
Sollten die Klagen Erfolg haben, könnten Betreiber, die während des Verbotszeitraums aktiv waren, mit erheblichen Rückzahlungsverpflichtungen konfrontiert werden, und Branchenanalysen schätzen das Gesamtvolumen auf mehrere hundert Millionen Euro, wobei Einzelfälle von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro pro Spieler reichen; Gerichte prüfen zudem Verjährungsfragen und die Frage, ob Anbieter ausreichend über die Rechtslage informiert waren.
Die Deutsche Bundesregierung hat in Stellungnahmen vor dem EuGH auf die Notwendigkeit nationaler Kontrolle zur Vermeidung von Sucht und Kriminalität verwiesen, während Vertreter der Klägerseite auf fehlende wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit des pauschalen Verbots hinweisen; unabhängige Gutachten von Forschungseinrichtungen wie dem European Gaming Institute unterstützen teilweise die Argumentation, dass alternative Regulierungsmodelle mit EU-Recht besser vereinbar gewesen wären.
Verfahrensstand und nächste Schritte
Im Juni 2026 stehen in mehreren Oberlandesgerichten Entscheidungen über die Zulassung von Sammelklagen oder die Aussetzung von Verfahren bis zur EuGH-Vorabentscheidung an, und die Verfahrensparteien tauschen derzeit umfangreiche Schriftsätze aus, die Daten zu Einsätzen, Auszahlungen und Vertragsbedingungen aus dem fraglichen Zeitraum umfassen; eine erste mündliche Verhandlung vor dem EuGH ist für das dritte Quartal 2026 terminiert.
Rechtswissenschaftler an Universitäten wie der Humboldt-Universität zu Berlin analysieren parallel die möglichen Konsequenzen für die aktuelle Glücksspielregulierung, die seit 2021 eine Lizenzierung ermöglicht, und betonen, dass die Ausgänge der Verfahren die Auslegung von EU-Dienstleistungsrecht in regulierten Märkten beeinflussen könnten; Behörden wie die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder beobachten die Entwicklungen, um Anpassungen bei Aufsichtsmaßnahmen vorzubereiten.
Schlussfolgerung
Die Verfahren vor deutschen Gerichten und dem EuGH konzentrieren sich auf die rechtliche Bewertung eines historischen Verbotszeitraums und könnten bei positiver Entscheidung für die Klägerseite zu erheblichen finanziellen und regulatorischen Folgen führen, während alle Beteiligten auf die für 2026 erwarteten Leitentscheidungen warten; weitere Verfahrensschritte werden die tatsächliche Reichweite der Ansprüche und die Auswirkungen auf den europäischen Glücksspielmarkt bestimmen.