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EuGH-Entscheidung eröffnet Wege für Rückforderungen bei verbotenen Online-Glücksspielen

Geschrieben von Petra Vogel · 29.5.2026

EuGH-Entscheidung eröffnet Wege für Rückforderungen bei verbotenen Online-Glücksspielen

Europäischer Gerichtshof in Luxemburg mit Fokus auf Rechtsprechung zu Glücksspielen

Das Gericht der Europäischen Union hat in der Rechtssache C-440/23 ein Urteil gefällt, das deutschen Spielern die Möglichkeit eröffnet, verlorene Einsätze von Online-Glücksspielanbietern zurückzufordern, wenn diese Tätigkeiten zum Zeitpunkt der Teilnahme nach deutschem Recht verboten waren, wie etwa im Zeitraum von Juni 2019 bis Juli 2021. Das Urteil bestätigt, dass eine EU-Betriebslizenz aus einem anderen Mitgliedstaat nationale Verbote nicht außer Kraft setzt und zivilrechtliche Ansprüche auf Erstattung zulässt, während die Pressemitteilung Nr. 53/26 weitere Details zur Begründung liefert.

Hintergründe des Verfahrens und beteiligte Parteien

Der Fall dreht sich um einen deutschen Spieler, der bei einem maltesisch lizenzierten Anbieter wie Lottoland Einsätze platziert hatte, die zu jener Zeit in Deutschland untersagt waren, und nun die Rückzahlung dieser Beträge verlangt. Deutsche Gerichte hatten zuvor unterschiedliche Auffassungen vertreten, doch das nationale Verbot blieb bestehen, auch wenn sich die Gesetzeslage später liberalisierte. Experten beobachten, dass solche grenzüberschreitenden Streitigkeiten zunehmen, weil Anbieter aus anderen EU-Staaten auf ihre Lizenzen verweisen, während nationale Vorschriften weiterhin Geltung beanspruchen.

Das Gericht stellte klar, dass die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU nicht automatisch nationale Verbote zum Schutz der Verbraucher oder zur Bekämpfung von Spielsucht überlagert, und es verwies auf frühere Rechtsprechung, die ähnliche Abwägungen vornahm. Die Entscheidung betrifft konkret Aktivitäten in jenem genannten Zeitfenster, doch sie schafft einen Präzedenzfall für ähnliche Konstellationen, bei denen Spieler in Deutschland gegen ausländische Plattformen vorgehen.

Kernpunkte der richterlichen Begründung

Richter des EuGH prüften, ob eine in Malta erteilte Lizenz die Durchsetzung deutscher Verbote verhindern kann, und kamen zu dem Ergebnis, dass Mitgliedstaaten weiterhin eigene Regelungen erlassen dürfen, solange diese verhältnismäßig und nicht diskriminierend sind. Die zivilrechtliche Rückforderung von Einsätzen wird damit als zulässiges Instrument anerkannt, um unrechtmäßig erzielte Gewinne rückgängig zu machen, während die Liberalisierung nach Juli 2021 keine rückwirkende Legalisierung früherer verbotener Handlungen bewirkt. Beobachter notieren, dass das Urteil die Balance zwischen EU-weiter Integration und nationaler Souveränität in sensiblen Bereichen wie dem Glücksspiel neu justiert.

Und hier wird es besonders relevant: Die Entscheidung gilt unabhängig davon, ob der Anbieter seine Plattform gezielt auf deutsche Kunden ausgerichtet hat oder nicht, solange die Teilnahme aus Deutschland erfolgte. Daten aus Gerichtsakten zeigen, dass solche Klagen bereits in mehreren Bundesländern anhängig sind, und das Urteil könnte deren Ausgang maßgeblich beeinflussen.

Auswirkungen auf Spieler und Anbieter im Mai 2026

Im Mai 2026 melden Anwälte und Verbraucherzentralen einen Anstieg von Beratungsgesprächen zu potenziellen Rückforderungen, da das Urteil klare Leitlinien für die Durchsetzung bietet. Spieler, die zwischen Juni 2019 und Juli 2021 bei nicht in Deutschland zugelassenen Anbietern wie Lottoland gespielt haben, können nun zivilrechtlich vorgehen, ohne dass die EU-Lizenz des Betreibers als Verteidigung dient. Gleichzeitig sehen sich maltesische und andere EU-lizenzierte Firmen mit einer erhöhten Anzahl von Forderungen konfrontiert, was ihre Risikobewertung und Rückstellungen beeinflusst.

Deutsches Gerichtsgebäude mit Fokus auf Glücksspielregulierung und Verbraucherrechte

Die Regulierungsbehörden in Deutschland prüfen derzeit, wie sie die Umsetzung des Urteils unterstützen können, während Anbieter ihre Geschäftsmodelle anpassen, um künftige Haftungsrisiken zu minimieren. Statistische Erhebungen aus dem Bereich der Verbraucherbeschwerden deuten darauf hin, dass Tausende von Fällen potenziell betroffen sein könnten, obwohl genaue Zahlen noch erhoben werden.

Rechtliche Folgen und praktische Umsetzung

Deutsche Zivilgerichte müssen nun Einzelfallprüfungen vornehmen, bei denen sie die Höhe der zurückgeforderten Einsätze, die Beweislage und mögliche Verjährungsfristen berücksichtigen. Das Urteil betont, dass nationale Verbote Vorrang haben, wenn sie dem Schutz übergeordneter Interessen dienen, und es schließt eine automatische Anerkennung ausländischer Lizenzen in diesem Kontext aus. Praktiker berichten, dass Musterverfahren bereits vorbereitet werden, um die Anwendung des EuGH-Urteils zu konkretisieren und Rechtssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen.

So ergibt sich ein Szenario, in dem Anbieter mit Sitz in anderen Mitgliedstaaten ihre Compliance-Strategien überdenken, während Spieler Zugang zu neuen rechtlichen Instrumenten erhalten. Die Pressemitteilung Nr. 53/26 des EuGH fasst diese Grundsätze zusammen und dient als Referenz für weitere Auslegungen.

Schlussbetrachtung

Das Urteil in der Rechtssache C-440/23 markiert einen Wendepunkt für die grenzüberschreitende Durchsetzung von Glücksspielverboten innerhalb der EU, indem es nationale Schutzmechanismen stärkt und gleichzeitig die Grenzen von EU-Lizenzen aufzeigt. Spieler erhalten dadurch erweiterte Möglichkeiten zur Rückforderung, während Anbieter mit neuen Herausforderungen bei der Risikobewertung konfrontiert sind. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie deutsche Gerichte die Vorgaben umsetzen und welche langfristigen Effekte auf den Markt entstehen.